Museum "Alter Krug"

Weinberge 15
15806 Zossen

Öffnungszeiten:

Mi 15:00 - 18:00
Sa 14:00 - 17:00

Tel.: 03377/300576

Schulmuseum

Kirchplatz 7 Fachwerkhaus
15806 Zossen

Do 10:00 - 12:00
Sa 10:00 - 12:00

Tel.: 03377 334346

Das telsche Platt - ein Vortrag von Gerhard Glau

2018-02-17

Heimatforscher Gerhard Glau

Die Besucher hatten schnell alle Bänke im historischen Klassenzimmer des Schulmuseums besetzt. Ältere Herren mit Bauchansatz hatten da schon ihre liebe Müh auf den Schülerbänken Platz zu nehmen. Doch noch immer zahlten weitere Gäste ihren Obolus. Fleißige Helfer aus dem Schulmuseum schafften noch Stühle heran, bis auch der letzte Zwischenraum zwischen den Bänken gefüllt war.

Auf der Leinwand begrüßte bereits ein Spruch auf telschen Platt die Gäste.

Übersetzt steht da in etwa: Ich rede wie mir der Schnabel gewachsen ist,
wie ich das von klein auf gewöhnt bin – wer will denn mir was!!

 

Dann hieß Karola Andrae die Gäste mit einer Mundartgeschichte willkommen, bevor dann Gerhard Glau mit seinem Vortrag begann. Im 12. und 13. Jahrhundert siedelten sich unter anderem Familien aus Nord-Rhein Westfalen, Flandern und Holland in der Teltower Region an. Aus diesem Sprachgemisch entstand schließlich das Teltower Platt als Umgangssprache. Gerhard Glau zelebrierte jetzt einige Geschichten und Sprüche aus seiner Sammlung im telschen Platt. Von den älteren Besucherinnen und Besuchern verstanden noch viele diese Mundart und konnten bei den Pointen auch ohne Übersetzung lachen, die anderen erst später.

Bereits im 18. Jahrhundert hat ein Superintendent 118 Worte des Teltower Platt festgehalten.

Originalausgabe Foto Internet  Nachdruck

1868 erschien von August Engelien und Wilhelm Lahn das Buch: „Der Volksmund in der Mark Brandenburg: Sagen, Märchen, Spiele, Sprichwörter und Gebräuche“

(Wenn Sie im Original lesen möchten, können Sie dies im Internet hier tun.)

Jedoch erst 1956 erschien von Willy Lademann ein Wörterbuch zum Teltower Platt. Gerhard Glau sieht seine Arbeit auch als Verpflichtung gegenüber dem ehemaligen Lehrer Wolfgang Köhler aus Lüdersdorf, der ihm den Nachlass von Heimatforscher und Sprachhistoriker Willy Lademann, geb. 05.03.1884-gest. 17.08.1976, überließ. Lademann veröffentlichte zwischen 1926 und 1942 im

 

Selbst eine gute Transkription von Worten und Sätzen aus dem telschen Platt kann die Sprachmelodie dieser Mundart nicht korrekt widergeben. So sind Tondokumente von Menschen, die diesen Dialekt noch sprechen können, besonders wertvoll. Ein solches Tonbeispiel von Lisa Letz aus Kleinschulzendorf vermittelte den Zuhörern einen Eindruck von dieser einzigartigen Sprachmelodie. Sie erzählte die Geschichte vom Schweinschlachten in einem Dorf aus der Zeit in der telsches Platt noch gesprochen wurde.

Wieder ein gelungener Nachmittag zur Heimatgeschichte aus unserer Region.

Text: Rainer Reinecke
Fotos, wenn nicht anders vermerkt: Rainer Reienecke