Museum "Alter Krug"

Weinberge 15
15806 Zossen

Öffnungszeiten:

Mi 15:00 - 18:00
Sa 14:00 - 17:00

Tel.: 03377/300576

Schulmuseum

Kirchplatz 7 Fachwerkhaus
15806 Zossen

Do 10:00 - 12:00
Sa 10:00 - 12:00

Tel.: 03377 334346

Kinogeflüster

Kinogeflüster

unter diesem Thema stellte ich die diesjährige Sommerausstellung im „Alten Krug“. Inspiriert wurde ich von einem Schuhkarton voll mit alten Progressfilmprogrammen. Diesen Karton hat der Verein geschenkt bekommen und es fristete so sein Dasein im verschlossenen Schrank.

Doch immer wieder muss mal was neues her und so gelangte mein Blick mal wieder auf diesen Karton.

In 12 großen Bilderrahmen habe ich nun 14 Jahre Kinoprogramme ausgestellt. Es war gar nicht so einfach, denn die Auswahl war wirklich groß und auch spannend und man selbst wurde in die Zeit des „Kinos“ zurückversetzt.

Ob sie diese Filme spannend finden, müssen Sie schon selbst herausfinden. In den Vitrinen und auf dem Tisch finden sich noch viele historische Film- und Fotoapparate, sowie Vorführtechnik. Da hatte es der Fotograf und Filmemacher schon schwer im wahrsten Sinne des Wortes. Heute zückt man das Handy und ruck-zuck ist das Bild und Video in aller Welt.

Zur Ausstellungseröffnung am 30.6.2018 trafen die ersten interessierten Besucher schon sehr zeitig ein. Bei Kaffee und Kuchen wurde über das Zossener Kino gesprochen und Anekdoten ausgetauscht. Unter den Gästen befanden sich auch Gäste aus Dresden, die im Hotel „Weißer Schwan“ Urlaub machten und etwas über die Geschichte des Hauses als ehemaliges Kino erfahren wollten.

Um 16 Uhr ging es dann zur Ausstellung. Klaus Voeckler, unser Heimatforscher, versetzte sich und uns in die Zeit zurück, als die Bilder so laufen lernten und die Gastronomen die Stummfilme in ihre Säle einziehen ließen, um viele Gäste zu erwarten.

Hans Heller tingelte mit einem Pferdewagen und der aufgebauten Apparatur durch die Gegend und bot seine Filme zum Verkauf. Als das Gasthaus Rüffert pleite ging, erwarb er das Gebäude. Den Saal ließ er zu einem richtigen Kinoerlebnis mit rotem Gestühl und Logen umbauen, es gab dämmriges Licht. Der Gaststättenbereich wurde vermietet.

Aber vorführen durfte nur ein zugelassener Lichtbildvorführer. Das war Herr Görlitz der schon am 26.4.1912 die Genehmigung erhielt und dafür die stolze Summe von 60 Mark bezahlen musste.

 

Das Zossener Kino wurde kurz vor dem Kriegsende am 21.4.1945 von Deutschen, bei der Sprengung der Nottebrücke stark beschädigt. Bereits im Juli wurde der Spielbetrieb nach Reparaturarbeiten wieder aufgenommen. Hans Heller hatte einen guten Draht zum sowjetischen Kommandanten in Wünsdorf und sprach auch selbst russisch. Herr Görlitz konnte nun erst viele russische Filme vorführen. Görlitz selbst starb 1962 in Zossen.

Hans Heller ereignete ein anderes Schicksal. Er wurde angezeigt das Kino auf dem Wünsdorfer Burgberg aus Konkurrenzgründen angezündet zu haben. Durch Hilfe seiner sowjetischen Freunde gelang es ihm noch rechtzeitig nach Westberlin zu kommen und dort weiter Kinogeschichte zu schreiben.

Das Haus mit Kino wurde dann 1953 verstaatlicht. Viele Jahre war dann noch Herr Radtke Vorführer in Zossen. Starke Konkurrenz war dann das Fernsehen und die Kinos hatten es sehr schwer. Nur bei Westfilmen war es noch immer sehr voll, denn die Fernsehbildschirme waren damals noch recht mickerig.

Nach der Wende wurde das Haus rückübertragen. Doch der Sohn Christian Heller verkaufte das sehr runter gewirtschaftete Objekt. Gastraum und Saal bilden heute wieder eine Einheit.

Und so endete die Kinogeschichte des Lichtspielhauses „SKALA“ in Zossen.

 

Nach diesen vielen historischen Informationen von Herrn Klaus Voeckler wurde erst mal noch ein Glas Sekt für jeden Gast ausgereicht und noch weiter gesprochen,. Es war eine tolle Veranstaltung.

 

Heute werden in den Sommermonaten nur noch Filme im Freiluftkino des E-Werk am Nottekanal angeboten.

 

 

Sie sind gern eingeladen sich in die alte Kinowelt versetzen zu lassen.

 

Die Ausstellung läuft noch bis 29.August 2018

 

 

 

Karola Andrae